Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt von Nicola Yoon.

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Worum es geht:

Madeleine hat SCID, eine extreme Form von Immunschwäche. Seit sie ein Baby war, hat sie das Haus nicht mehr verlassen, da sie auf wortwörtlich alles schwer allergisch reagiert. Einzige Personen, mit denen sie Kontakt hat, sind ihre Krankenschwester Carla und ihre Mutter. 18 Jahre hat das gereicht, doch dann zieht nebenan Olly ein. Ihre Schlafzimmerfenster sind genau gegenüber und nach ein paar pantomimischen Einlagen schreibt er seine E-Mail-Adresse auf das Fensterglas. Und plötzlich ist das Haus für Madeleine viel kleiner, als es bisher war.


Soundtrack zur Rezension:

The Cranberries – Dreams.


Zitat:

Im Grunde bin ich allergisch gegen die Welt. Alles kann einen Anfall auslösen. Es könnten Chemikalien im Putzmittel sein, mit dem der Tisch abgewischt wurde, den ich gerade berührt habe. Es könnte das Parfüm von irgendwem sein. Oder das exotische Gewürz in meinem Essen. Es könnte eines davon, alles auf einmal, nichts davon oder etwas ganz anderes sein.


Meine Meinung:

Das. Buch. Ist. Toll. Echt jetzt.

Also Maddy hat SCID, wie der Junge in dem Film mit der Blase, der von Jake Gyllenhaal gespielt wird, also der Junge, nicht die Blase, und den ich endlich mal sehen sollte. Ihr Tagesablauf ist deshalb komplett verplant, mit stündlichen Untersuchungen, hypoallergenem Essen, frisch desinfizierten und verschweißten Büchern, und Krankenhausweißem alles. Trotzdem ist sie fröhlich und unbeschwert. Sie sieht alles positiv und mit Humor. Dabei ist sie so so so sympathisch. Einfach jemand, dessen Buchblog man besuchen will. (Uh, ja! Maddy bloggt über Bücher. Spoiler inklusive. Auch im Buch selber.)

Dann Auftritt Olly. Der genauso sympathisch ist. Er schreibt Maddy eigentlich nur an, weil er denkt, dass sie Hausarrest hat, und ihr diese Zeit vertreiben will (denn hey, er kennt das!). Und schwupps fangen die Chatsessions bis 3 Uhr Nachts an.

Dabei sind die beiden respektvoll und ehrlich, ziehen Grenzen und loten sich gegenseitig aus. Sie tänzeln nicht herum sondern fragen, was sie wissen wollen.

Madeleine: Welche Farbe haben deine Augen?

Olly: blau

Madeleine: Geht’s auch etwas genauer?

Olly: meerblau

Madeleine: Atlantik oder Pazifik?

Der Spannungsbogen flaut dabei niemals ab. Dabei geht das ganze natürlich weit über das übliche Werden sie? Werden sie nicht? hinaus. Es ist mehr ein: Werden sie jemals im selben Raum sein? Wird Maddy dabei explodieren? Und wird Maddys Mutter ihre Freundschaft bemerken?

Dabei ist die Geschichte natürlich süß, aber der Zuckerschock ist aushaltbar. Keine Diabeteswarnung für dieses Buch. Es klingt zwar nicht so, weil diese Rezension sehr viele Ahs, Ohs, und Schachtelsätze enthält, aber das liegt vor allem daran, dass ich realen Zucker gegessen habe. Und zwar viel davon.


Das, was mich gestört hat, ist der Schluss.

Okay, Maddy ist also gar nicht krank. Ihre Mutter hat sich das eingebildet, weil sie ihr Kind sicher bei sich halten wollte. Maddy kann somit in Zukunft das Haus verlassen und ganz normal vor sich hinleben. Ich habe diesen Plot Twist schon seit den ersten Seiten ahnen können und die ganze Zeit gehofft, es wird nicht so sein. Was für eine Message ist das denn? „Hey, man kann nur glücklich sein, wenn man nicht krank ist“? Ja, SCID ist eine scheiß Krankheit, aber man kann sie sich auch nicht einfach weg wünschen. Way to go, um Leuten mit SCID oder ähnlichen Krankheiten Mut zu machen und ihnen zu sagen, dass man auch damit ein Leben leben kann. Nope, laut dem Buch hat man nur gut zu leben, wenn man das Haus verlassen kann, und wenn es einen tötet. Denn tot draußen zu sein ist besser, als sich ein Leben drinnen einzurichten. WTF.

Gleichzeitig wurde die Mutter, die übrigens für den Großteil des Buches nicht mal einen Namen bekommt, was ich hasse, wie die Pest, als Opfer dargestellt. Yepp, sie ist psychisch krank. Madeleine dazu anzuhalten, nett zu ihr zu sein, weil ihre Mutter sie jetzt braucht, halte ich allerdings für falsch. Ja, sie hat so gehandelt, weil sie krank ist. Trotzdem hat sie Madeleine 18 Jahre gestohlen und diese hat ein Recht, sauer zu sein. Man darf sich von psychisch kranken Menschen abwenden, wenn sie einen verletzen. Das ist in Ordnung.

Aber nein, Maddy wohnt immer noch bei ihr und hält ihr Händchen, weil alle ihr sagen, dass die Mutter das braucht.

Und nach diesem Thema jetzt noch jammern auf hohem Niveau:

Mir sind alle Charaktere zu blass geblieben, allen voran Olly. Ich weiß nichts über ihn, außer, dass er muskulös ist, gerne klettert, Mathe mag, und schwarz trägt.

Ach so, und sein Kopf ist seltsam geformt.

Das wars. Selbst seine E-Mail-Adresse ist Genericuser33@gmail.com. Und sein Zimmer hat, bis auf ein Parkour-Poster, keinerlei Deko.

Man hätte ruhig ein bisschen über ihn erzählen können. Wie bezahlt er sein Auto? Hat er einen Nebenjob? Will er studieren? Will er mal mit seinen 5 Kindern Partridge Family-Style durchs Land ziehen? Was tut er gerade und was hat er vor im Leben?

Das gleiche mit Maddy. Sie lernt fleißig, aber was sie in Zukunft anstellen will ist ein Mysterium.


Schön fand ich den Schreibstil. Er ist locker leicht. Sogar so leicht, dass ich das Buch innerhalb eines Tages in wenigen Stunden beendet habe. Große Teile werden über Chatnachrichten zwischen den beiden bestritten. Wie ihr wisst, bin ich ein Sucker für so etwas.

Es gibt auch Illustrationen (ILLUSTRATIONEN!). Und Tumblr-Postings. Über Bücher. Alles in allem ist das Buch eine Wundertüte an Varietäten. Man mag einen bestimmten Stil? ZU BLÖD. Aber keine Sorge, in 5 bis 20 Seiten kommt er wieder.

Und außerdem: Yay for diversity! Maddy ist nämlich japanisch-afroamerikanisch. Mit Sommersprossen.


Für Fans voN:

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer.

Die Suizid-Schwestern von Jeffrey Eugenides.

Der Marsianer von Andy Weir.

Das Glücksbüro von Andreas Izquierdo.


Weitere Rezensionen:

Sternenbrise

Myri liest

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Fakten zum Buch:
  • Du neben mir und zwischen uns die Welt ist ein Einzelband.
  • Der englische Titel ist Everything Everything.
  • Verlag: Dressler.
  • Das Buch hat 336 Seiten.
  • Preis fürs E-Book: 9,99€ und die Gebundene Ausgabe kostet 16,99€
  • ISBN: 9783791525409

Der Trailer:

Wie es sich für jedes gute (und nicht so gute) Buch gehört, wurde auch dieses verfilmt. Im Kino ist der Film ab Mai zu bewundern. Mit Amandla Stenberg als Maddy und Nick Robinson mit viel zu langen Haaren als Olly.

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2 Kommentare

  1. Hey!
    Danke erstmal fürs Verlinken. Das Buch habe ich vor einer ganzen Weile gelesen, es ist mir aber gut in Erinnerung geblieben. Vor Allem der Aufbau mit den Zeichnungen etc. hat mir sehr gut gefallen.
    Jetzt im Nachhinein kann ich deine Bedenken sehr gut verstehen. Beim Lesen hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, aber du hast Recht. Um nicht zu spoilern, sage ich jetzt nicht mehr dazu 🙂
    Das ist eine sehr schöne Rezension. Ich freue mich auch schon auf den Film 🙂

    Liebe Grüße
    Charline

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