Hag-Seed von Margaret Atwood.

Hag-Seed (Hogarth Shakespeare)

 

Worum es geht:

Der Theaterregisseur Felix Phillips stürzt sich komplett in seine Arbeit zu The Tempest nachdem sowohl seine Frau, als auch seine Tochter gestorben sind. Doch in seiner Trauer merkt er nicht, wie sein Assistent Tony ihn betrügt, und er verliert seinen Job. Tief gekränkt zieht er sich zurück, nur um Jahre später als Prospero verkleidet seine Rache auszuführen.


Zitat:

Noble people don’t do things for the money, they simply have money, and that’s what allows them to be noble. They don’t really have to think about it much; they sprout benevolent acts the way trees sprout leaves.


Meine Meinung:

Ich hatte Probleme mit dem Buch. Es gab Teile, die habe ich geradezu geliebt. Die Szenen mit den Insassen des Gefängnisses, in dem Felix nach seiner Kündigung arbeitet, waren übersprühend vor Ideen. Wie bringt man Leuten, die kaum lesen können, Shakespeare nahe? Natürlich, indem man Ariel in einen Alien verwandelt und die Texte in selbst geschriebene Raps umbaut. Die Analysen haben mir sehr viel Freude bereitet. Ich hatte Spaß mit ihnen.

Womit ich keinen Spaß hatte waren die Szenen außerhalb des Gefängnisses. Es hat einfach die Spannung gefehlt und jedes mal, wenn ich das Buch zur Seite gelegt habe, hatte ich es schon vergessen und musste mich Tage später beinahe zwingen, weiter zu lesen. Es war nicht fesselnd. Der größte Punkt ist, dass es keinen Gegner gibt. Es fehlte jemand, der Felix balanciert, das Gegengewicht zu seiner Rache. Seine Gegenspieler sind bis zum Finale weder zu sehen noch zu spüren.

Das andere Problem war, dass der Leser so gar nicht in Felix’ Rache mit einbezogen wurde. Er googelt Tony regelmäßig. Er denkt oft das Wort Rache, aber es passiert nichts. Er wartet, bis sie ihm zufällig über den Weg laufen, und schlägt dann zu. Mit dem warten hätte ich keine Probleme, da das auch im Original der Fall war, aber dass man überhaupt nicht mitbekommt, was er plant, fand ich sehr schade. Tut er was für seine Rache? Nein. Denkt er sich Szenarien für seine Rache aus? Nein. Plant er letztendlich etwas für seine Rache? Ja, aber ohne den Leser.

Vielleicht hätte es dem Buch da ganz gut getan, sich etwas vom Original zu entfernen.

Schön fand ich, dass am Ende des Buches eine Zusammenfassung des eigentlichen Theaterstück stand, damit man sich noch mal die Details ins Gedächtnis rufen und Parallelen ziehen kann. Vermutlich sind dafür dann auch die 5 leeren Seiten im Buch: Damit man seine eigenen Interpretationen gleich aufschreiben kann. Anders kann ich sie mir nicht erklären.

Den Schreibstil fand ich ansprechend. Mit wenigen Worten werden ganze Bilder gezeichnet, und das mag ich.

Auf jeden Fall eine interessante Interpretation mit schönen Ideen, der es leider an Spannung gefehlt hat. Wer allerdings auf Theater und Regiearbeit steht ist mit diesem Buch sicherlich glücklich.


Für Fans von:

Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt

Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas.


Fakten zum Buch:
  • Das Exemplar habe ich kostenlos im Gegenzug für eine Rezension und die Teilnahme bei der Lovelybooks Leserunde von Penguin Random House bekommen.
  • Das Buch ist Teil einer Reihe Shakespeare-Neuverföhnungen namens Hogarth Shakespeare.
  • Ja, ich habe in dieser Rezension 2x tun benutzt. Verhaftet mich doch.
  • Verlag: Penguin Random House UK
  • Preis: 18,29€ für die gebundene Ausgabe und 12,99€ für das Taschenbuch.
  • 292 Seiten.
  • ISBN: 1781090238

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5 Kommentare

  1. Margaret Atwood hab ich früher viel gelesen, seit Jahren nicht mehr, was nicht an ihr liegt, sondern an meinem gestörten Leseverhalten. Ich fand sie immer sehr symbolisch, feministisch und dystopisch, bevor diese Richtung modern wurde. Dein aktuelles Buch kenne ich leider nicht, aber ich könnte mir denken, dass man eine symbolische Lesart einschlagen muss.
    Ich glaube, das war dein erstes Buch von ihr? Vielleicht gefällt dir „Der Report der Magd“ oder „Die essbare Frau“.

    1. Ja, das war mein erstes Buch von ihr. Feministisch gibts eigentlich nicht, da es ja in einem Männergefängnis spielt, ergo sind Frauen Mangelware 🙂

      Der Schreibstil hat mir gut gefallen und ich kann mir gut vorstellen, dass ich nochmal eins von ihr lese. Ich denke, wenn sie sich nicht an einen Plot halten muss werde ich viel mehr mit ihr anfangen können.

  2. Von Margaret Atwood habe ich bisher zwei Bücher gelesen und war beide Male überwältigt von ihrer Art zu erzählen und der fesselnden Geschichte (Der Report der Magd und Oryx und Crake). Schade dass dich diese hier nicht so überzeugen konnte. Aber danke für den Hinweis, dass es sich um eine Shakespeare-Neuerzählung handelt, das wäre mir entgangen.

    1. Ja, Der Sturm ist glaube ich nicht so bekannt. Ich musste mir auch erst mal das Original auf den Kindle laden und rein lesen (was sich, wie gesagt, als unnötig erwiesen hat, weil hinten im Buch alles steht).

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