Der gemeine Vegetarier mag kein Fleisch.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht am Wetter, und dem Gedanken, die Grillsaison einzuläuten. Man schweift zu den Bergen Grillfackeln, Schweinebäuchen, Hühnerflügeln und Bratwürstchen, von denen man drei viertel ungegrillt wieder heim schleppt, weil man viel zu viel mitgenommen hat. Dann schweift der Gedanke zum einsamen Maiskolben von Margarete, die Vegetarierin ist. Und man bemitleidet sie, weil sie nur einen Maiskolben isst. Man überlegt sich ein wenig den Vegetarismus, und darüber, wie viele vegane Grillsachen inzwischen in den Supermärkten sind, alle in Fleischform und -namen.

Und dann setzt man sich an seinen Blog, und schreibt einen vollkommen unreflektierten Satz, oder, wenn man gut drauf ist, einen ganzen Beitrag zu dem Thema.

Letzte Woche ging mein Blick wie jeden Tag durch meinen Reader auf der Suche nach tollen Blogpostings, und mir sprang sofort ein als vegan gekennzeichnetes Rezept in einem Buchblog ins Auge. Oh Freude schöner Götterfunke. Einer der ersten Sätze? Dass es sich hier um Bohnen handelt weil man nicht verstehen kann, dass vegetarische Gerichte immer in Fleischform gepresst werden. Man sei zwar selber kein Vegetarier, und vielleicht hat man da irgendwas falsch verstanden, aber es geht doch darum, dass man als Vegetarier kein Fleisch essen will?

Mein Kommentar dazu wurde nie veröffentlicht. Und konsequenter weise habe ich diesen Blog dann entfolgt. So jemanden kann ich in meinem Reader nicht gebrauchen. Vermutlich lest ihr das sowieso nicht, weil ihr an anderen Meinungen und einer Diskussion eh nicht interessiert seid und deshalb keine anderen Blogs lest, aber: Tüdel-fucking-lü! Bleibt in eurer unreflektierten Welt stecken.

Wie ihr seht, ist das ein emotionales Thema. Ich schreibe hier nicht oft darüber, aber ich bin Veganer. Und solche Leute, die sich anmaßen anderen zu sagen, was sie essen dürfen und was nicht, gehen mir gewaltig auf die Nerven. Was erlauben die sich?

Newsflash: Die meisten Vegetarier essen sogar ausgesprochen gerne Fleisch. Wir gehen gerne grillen. Wir lieben es, zu kochen und zu essen. Wir sind mitfühlend, und schockiert, und wir wollen nicht, dass ein Tier für uns stirbt.

 

Naja, bis auf diesen Typen da. Wenn ihr den irgendwo seht, dann ignoriert ihn einfach.

Es geht nicht darum, kein Fleisch zu essen. Es geht darum, dass ein anderes Lebewesen dafür gequält wird. Und nein, ich werde jetzt nicht auf Details eingehen. Dieser Beitrag ist nicht dafür geeignet, und ich möchte nicht den Rest des Tages heulend verbringen.

Ich möchte einfach mal niederschreiben, wie ich mich fühle, wenn ein Fleischesser sich auf seinem Blog über die dummen Vegetarier verlustiert, die sich Tofu in Wurstform kaufen (in was für eine Form soll das denn sonst gepresst sein? In ein Penrose-Dreieck?) Überlegt euch doch einfach mal bevor ihr etwas über Vegetarismus schreibt ob das wirklich so stimmen kann und nötig ist, dass ihr darüber etwas verfasst.

In den meisten Fällen beleidigt ihr damit nämlich nur einen mitfühlenden Mitmenschen.

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10 Kommentare

  1. Ich verstehe dich sehr gut. Ich bin zwar keine Veganerin, aber seit ich glaube 7 Jahren Vegetarierin. Und immer werde ich gefragt, warum ich vegetarische Wurst esse, zu nachgemachten Fleischprodukten greife. Dann könne ich ja gleich Schwein essen.

    Ernsthaft? Wurst ist einfach eine Form und heisst nicht gleich: Hallo ich bin aus Fleisch! Wie du schon sagst: sollen wir alles in sternchenform essen?

    Ich habe Fleisch gemocht. Auch den Geschmack und ich habe es gerne gegessen. Aber mir geht es heute nur noch um die Tiere und ich kann auch ohne Fleisch gut und glücklich leben und sein.

    1. Gell? Immer dieses „dann kann man ja gleich Fleisch essen“- eben nicht! Genau genommen könnten die doch dann alle Seitan essen, wenn das doch eh kein Unterschied ist.

      Aber wenn es eh das selbe ist, dann kann man uns doch auch essen lassen, was wir wollen.Es ist ja nicht so, als würden wir damit jemandem weh tun 😛

      1. Ich kann das auch nicht mehr hören. Als ob wir uns die Form aussuchen. Und wenn schon? Ist doch egal, wie es aussieht. Ich esse kein Fleisch, weil ich nicht möchte, dass ein Tier für mich stirbt und leiden muss.
        Deinen Vergleich mit Seitan finde ich gut! Es könnten echt viel mehr Seitan essen, aber dann kommt die böse Gluten-Polizei. 😉

  2. Heii 🙂
    Da ich Vegetarierin bin, habe ich mich sehr für deinen Beitrag interessiert! Ich bin auch ein Grill-Fan und zum ehrlich sein, ich habe früher Fleisch geliebt! Finde deinen Beitrag super :D. Aber was hast du gegen Vegan for fit(also ich kenne es nicht genauer)?
    LG Anjuli

    1. Atilla Hildmann beleidigt oft Vegetarier und Veganer, kauft sich Lederschuhe („weils halt das beste ist“), ist allgemein ein sehr unangenehmer Mensch und er findet quasi, dass Veganismus nur zum Schlank sein gut ist.

      Um seine Persönlichkeit zu verdeutlichen: Als er mal einen Preis für sein Kochbuch gewonnen hat hat er seine „Dankesrede“ nur dazu genutzt, sich über einen anderen veganen Koch, der nichts gewonnen hat, lustig zu machen.

      An sich könnte man ja froh sein, dass er das ins Bewusstsein der breiten Menge bringt… aber dann kommen seine Kochbücher ins Spiel, für deren Zutaten man locker 200€ ausgeben kann und nur als Schlankheitsmittel und Jungbrunnen vermarktet werden. Wenn jemand davon enttäuscht ist, weil es bei ihm nicht geklappt hat, fällt das auf den Veganismus zurück. Außerdem denken dann die meisten, dass man als Vegetarier/Veganer Millionär sein muss.

      Fall jemand einen guten, veganen und professionellen Koch sucht ist mit Björn Moschinski gut beraten. Seine Kochbücher sind klasse und down-to-earth.

      1. Ich freue mich gerade unglaublich über diesen Austausch. Ich befasse mich im Moment selber mit Vegetarismus und Veganismus und mir war nur Attila Hildmann ein Begriff. Das er selbst diese Lebensweise so zynisch und inkonsistent durchführt, wusste ich nicht. Den Namen Björn Moschinski höre ich gerade zum ersten mal. Danke dafür!

      2. Endlich jemand, der mit Attila auch nichts anfangen kann. Ich finde diesen Kerl einfach unsympathisch und ich finde, er vermittelt ein ganz falsches Bild des Veganismus. Ich selber bin „nur“ Vegetarierin, aber verzichte z.B. auf Lederprodukte.
        Attila geht es meiner Meinung nach nur um Profit und Aufmerksamkeit und die erlangt er eben zur Zeit mit dem Thema Veganismus.
        Björn Moschinski ist auch der Koch meiner Wahl und seine Kochbücher würde ich auch immer weiter empfehlen.

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