Raum von Emma Donoghue.

Worum es geht:

Jack wohnt mit Ma in Raum. Jack wurde vor 5 Jahren auf Teppich geboren und hat Raum seitdem noch nie verlassen. Jede Nacht versteckt er sich in Schrank wenn Old Nick zu Besuch kommt. Ma sagt, Jack muss Raum verlassen.


 

Meine Meinung:

Okay, das war mal was anderes. Wer sich wundert: Jack hats nicht so mit Der, Die, oder Das. Entweder benutzt er sie falsch, oder er benutzt sie gar nicht. Meistens eher das letztere. Einen 5 jährigen als Erzähler zu haben hat eben manchmal auch Nachteile.  Mich hat das nach kurzer Zeit nicht mehr sonderlich gestört, aber ich bin sicher, dass das einigen Leuten nicht gefallen wird.

Der Voyeurismus wird nicht bedient. Jack hat mit dem Entführer Old Nick überhaupt nichts zu tun. Normalerweise schläft Jack schon, wenn Old Nick reinkommt. Trotzdem kann man sich als Leser ganz gut zusammen puzzeln, was zwischenzeitlich passiert und wieso Ma und Jack in dem Raum sind. Der Horror ist kein solcher, da Jack es nur so kennt. Das ist wie einem Kind Foie Gras zu füttern. Der Erwachsene weiß, es steht etwas schreckliches und bösartiges dahinter, das Kind sieht aber nur ein Essen. So weiß Jack nicht, warum er und Ma das Schreispiel spielen oder auf dem elektrischen Zahlenschloss Nummern ausprobieren. Für ihn ist das nur Spaß.

Als sie dann fliehen, fand ich Jacks Probleme ziemlich gut beobachtet. Zum Beispiel, dass Jack keine Treppen laufen kann. Unser Hund ist ein ehemaliger Kettenhund, und die ersten Monate bei uns hat er sich auch geweigert, Treppen zu benutzen, schlichtweg, weil er sie nicht kannte. Das man so etwas wie Treppen als Kleinkind lernen muss so wie das Töpfchen oder laufen, das merkt man normalerweise gar nicht. Von daher fand ich es wirklich interessant, an wie viel die Autorin gedacht hat.

Seltsam fand ich, wie schnell Ma nach der Flucht mit Jack ungeduldig wird oder genervt auf ihn reagiert, weil er irgendetwas nicht kennt oder versteht. Das war so gar nicht im Charakter zum Vergleich des ersten drittel des Buches. Während sie noch im Raum waren hat sie unermüdlich jede seiner Fragen beantwortet und sich um ihn gekümmert. Sie hatte dort zwar nicht viel anderes zu tun, aber trotzdem ändert sich so ein Verhalten ja nicht von jetzt auf gleich.

Gut fand ich allerdings Mas Reaktion auf das Psychatriepersonal, das sie auf ihr Zimmer beschränken wollte. Ma hat es ziemlich gut drauf Leuten aufzuzeigen, wofür sie sich ihrer Meinung nach schämen sollten. Trotz oder wegen allem hat sie einen ziemlichen Dickkopf, den sie durchzusetzen weiß.

Der unmögliche Balanceakt der Ärzte, den beiden zu helfen, aber sie nicht zu beschränken, wird gut beschrieben. Und auch, das es für so einen Fall eben kein Schema F gibt. Was genau genommen ja auch gut ist, denn dazu müsste es viel öfter solche Fälle geben.

Den Schluss fand ich dann auch gut gewählt. Ohne noch mehr zu verraten.

Auf jeden Fall habe ich das Buch gemocht.


  • 417 Seiten
  • Verlag: Piper
  • Der Preis vom Ebook ist 9,99€, der von der gebundenen Ausgabe 4,99€

 

 

 

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6 Kommentare

  1. Hey :-),

    Raum ist ein ganz besonders Buch. Es war für mich anfänglich etwas schwierig reinzukommen, da ich mich zunächst an die Kinderausdrucksweise gewöhnen musste, doch dann war ich zutiefst berührt. Ich werde dieses Buch sicher noch einmal lesen, denn ich erinnere mich immer noch an das Besondere.

    Sei lieb gegrüßt und ich bleibe sehr gern als Leserin hier.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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