In die Wildnis von Jon Krakauer

Christopher McCandless hat sein privilegiert Leben satt. Er spendet seine ganzen 24.000$ an ein wohltätiges Projekt und geht als Alexander Supertramp auf Reisen. Doch die Natur ist nicht gut zu ihm und er verhungert in der Wildnis von Alaska.

Ein Jahr nach Christophers Tod geht der Journalist Jon Krakauer auf seinen Spuren, spricht mit den Leuten, mit denen Christopher Zeit verbracht hat und versucht nachzuvollziehen, was ihn dazu getrieben hat, aus der Gesellschaft auszusteigen.

Das Büchlein wäre noch viel kürzer, wenn es tatsächlich nur von Alex/Christopher gehandelt hätte. Doch Krakauer erzählt ständig andere Geschichten von Aussteigern, die gestorben sind, und letztendlich erzählt er von einer Bergsteigetour, die er selbst zurück gelegt hat. Ich habe diese Abschweifungen letztendlich übersprungen. Sie waren einfach nicht interessant, haben mir auch keine Einsicht in Christopher McCandless‘ Verhalten gegeben, sie waren unnötig.

Dafür fand ich die Geschichten über Christopher selber sehr unsympathisch. Krakauer erzählt die ganze Zeit, dass er sehr sympathisch war, jeden um den Finger gewickelt hat, aber jede Erzählung schreit danach, dass er eine Watschen ins Gesicht verdient hätte. Naja. Ich bin nicht für Gewalt, aber ich hätte ihn wohl irgendwann ziemlich rüde angegangen und vom Hof gejagt.

Da war z.B. ein Mann, der Christopher mit dem Auto kostenlos eine weite Strecke mitgenommen hat nachdem Alex, ebenfalls kostenlos, bei ihm gewohnt hat. Er drehte dabei Aufnahmen von den Sehenswürdigkeiten auf dem Weg, und Krakauer, der die Filme gesehen hat, meinte, dass Christopher auf den Filmen oft gedrängt hat, endlich wieder einzusteigen, er möchte schnell weiter fahren. Dann, als er ankam, schrieb er ebenjenem Mann eine Postkarte mit einer Schelte, dass er nicht beim Grand Canyon anhalten wollte, und er solle in Zukunft so leben wie Alexander Supertramp weil sein Leben so nicht lebenswert wäre. Netter Bursche, nicht wahr? Ein anderer Mann hat ihn kostenlos in einem Wohnwagen leben lassen und Alex lässt sich in seinem Tagebuch darüber aus, wie nervig der Alte doch eigentlich ist. Das zieht sich durch das ganze Buch. Krakauer setzt ihm einen Heiligenschein auf, aber eigentlich kommt er nur verwöhnt und undankbar rüber.

Der andere Punkt, den ich schon mal angesprochen habe, ist, dass das Buch absolut nicht linear ist. Mal handelt es davon, wie Christopher bei seinen Eltern lebt, mal, wie er in einer Frittenbude arbeitet, dann springt es hin und her zwischen verschiedenen Personen und Schauplätzen, es war irgendwie bizarr. Nicht unleserlich, aber es hat auch nicht geholfen. Es war, als hätte Krakauer verschiedene Artikel über die selbe Person geschrieben und dann einfach irgendwie zusammen geheftet.

Ich fand seinen Mut bewundernswert, und ich hätte gerne mehr über seine Reise gelesen, aber leider fiel das ziemlich flach. Dabei ist das, was er geleistet hat, in der Tat sehr interessant. Nicht so sehr die Beweggründe, sondern das Leben an sich, das er geführt hat. Vielleicht hat mir das Buch auch deshalb nicht so gut gefallen, weil Krakauer nur nach dem Wieso gesucht hat, nicht nach dem Wie.

Wie auch immer, der Film hat mir besser gefallen.

  • Verlag: piper.
  • 304 Seiten.
  • ISBN-10: 349225067X
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2 Kommentare

  1. Ich kenne das Buch nicht, und klingt auch nicht so, dass ich es lesen wollte.
    Der Film war sehr dicht. Die Absurdität und Vermeidbarkeit dieses Todes habe ich gefühlt. Da drängt sich die Frage nach dem Warum schon auf. Hat der Film eine literarische Grundlage?

    1. Ja, dieses Buch. Oder zumindest haben sie sich daran orientiert, wie gesagt, den Film fand ich besser aufgebaut.

      Ja, beim Film kam das schon eher rüber, beim Buch aber nicht.
      Das Buch hätte ich perfekt gefunden um sein Leben auf der Straße zu beleuchten, aber das war wohl nichts.

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